
UK nimmt Online Gambling Branche unter die Lupe
Die britische „Competition and Markets Authority“ (CMA) gibt in einer Pressemitteilung die gründliche Überprüfung der Fairness von Online Glücksspiel im Allgemeinen und der Geschäftsbedingungen der Anbieter im Besonderen bekannt. Grund für diese Maßnahme seien zunehmende Beschwerden seitens der Verbraucher: So würden insbesondere schwer verständliche Spielbedingungen und willkürliches Verzögern von Auszahlungen bemängelt. Ebenfalls würde im Bereich der Sportwetten die Manipulation von Quoten nach erfolgter Wettplatzierung vorgeworfen. Um den Verbraucherschutz zu gewährleisten, sollen die Angebote und das Geschäftsgebaren durch die CMA untersucht und gegebenenfalls beanstandet werden. Nisha Arora, Verantwortliche für die Durchsetzung von Verbraucherinteressen bei der CMA, erläutert die Kundenbeschwerden: „Etwa 5,5 Millionen Briten nehmen am Online Glücksspiel teil und diese müssen fair behandelt werden. Wir bekommen besorgniserregende Beschwerden, dass Menschen mit Werbeaktionen geködert werden, die wegen komplexer und unfairer Bedingungen kaum Gewinnchancen bieten. Wir arbeiten nun eng mit der Glücksspielbehörde zusammen, um dies näher zu untersuchen.“ Diese Glücksspielbehörde, die „UK Gambling Commission“ (UKGC), gab den Anstoß für die Untersuchungen. Die Kommission hatte bereits Anfang Oktober angekündigt, dafür sorgen zu wollen, dass die Glücksspielunternehmen die Interessen ihrer Kunden stärker in den Vordergrund stellen und mehr Transparenz schaffen. Die Leiterin der UKGC, Sarah Harrison, begründete den aktuellen Vorstoß: „Wir erwarten von der Glücksspielindustrie dafür zu sorgen, dass die AGB nicht unfair sind. […] Ich habe weiterhin Bedenken, dass diese oftmals eher zu verwirren scheinen, als den Kunden beim Treffen informierter Entscheidungen zu helfen.“
Was bedeutet die Untersuchung für die Unternehmen?
Bislang handelt es sich nur um die Aufnahme einer Untersuchung mit der noch keine Feststellung von unfairem Handeln seitens der Glücksspiel-Anbieter verbunden ist. Zunächst werden nun die Unternehmen aufgefordert, entlastende Beweise vorzulegen, die die Einhaltung der Verbraucherschutzvorschriften belegen. Gleichzeitig sollen Verbraucher ihre Beschwerden an die CMA weiterleiten, sodass sowohl Anbieter als auch Kunden im Verfahren gehört werden. Dabei geht es laut Sarah Harrison von der UKGC nicht darum, dass mit Online Glücksspiel Risiken verbunden sind. Das läge in der Natur des Glücksspiels. Vielmehr gehe es um intransparente Vertragsklauseln, die Gewinnauszahlungen an enge Bedingungen knüpfen und den Nutzern nicht bewusst seien: „Die Kunden dürfen im Gewinnfall nicht das Gefühl haben, durch obskure Bedingungen, die sie nicht verstanden haben, benachteiligt zu sein.“ In einer ersten Reaktion auf die Ankündigung äußerte sich der Geschäftsführer des Online Gambling Interessenverbandes „Remote Gambling Association“ (RGA), Clive Hawkswood: „Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es weitverbreitete Versäumnisse gebe.“ Es sei allerdings ebenfalls wichtig, die Untersuchungen abzuwarten und aus eventuellen Missständen zu lernen. In der RGA sind Branchenriesen wie 888, William Hill, bet365, ladbrokes und PokerStars vertreten.
Auswirkungen auf das Online Glücksspiel in Deutschland
Das Verfahren der britischen Behörde bezieht sich zunächst einmal nur auf die dort lizensierten Angebote. Diese sind jedoch überwiegend im gesamten europäischen Raum aktiv. Es erscheint also nicht ausgeschlossen, dass etwaige Beanstandungen zu veränderten Geschäftsbedingungen führen, die dann auch Kunden außerhalb von Großbritannien betreffen. Ebenso könnten aber auch lediglich gesonderte Bedingungen für Kunden aus dem Vereinigten Königreich formuliert werden. Da viele Online Casinos und auch Wettanbieter für ihr deutsches Angebot ohnehin auf Lizenzen aus beispielsweise Malta oder Gibraltar zurückgreifen, bleibt eine direkte und unmittelbare Auswirkung fraglich. Insbesondere da die CMA keinen konkreten Zeitplan bis zum Abschluss ihrer Untersuchung vorgelegt hat, bleiben die Folgen abzuwarten.