
Paddy Power Betfair droht 40 Mio. EUR Steuernachzahlung
Das Finanzgericht Kassel im Bundesland Hessen hat entschieden, dass der britische Wettgigant Paddy Power Betfair (PPB) Steuern in Höhe von 40 Mio. Euro nachzahlen muss. Schon einmal hatte das Unternehmen Berufung gegen den Beschluss eingelegt, der Steuerstreit läuft bereits seit 2012. Zudem fordert auch Griechenland eine Nachzahlung in Höhe von 15 Mio. Euro.
Mit dem aktuellen Urteil des Finanzgerichts Hessen wird das Urteil gegen PPB erneut bestätigt: Der irisch-englische Buchmacherriese, der 2016 aus der Fusion zwischen Paddy Power und Betfair entstand, schuldet dem deutschen Finanzamt demnach eine Steuernachzahlung in Höhe von 40 Mio. Euro. Die Besteuerung entsteht in dem Fall aus den deutschen Marktaktivitäten der Marke Betfair im Geschäftsjahr 2011/12.
Grundlage für die Forderung ist eine 2012 eingeführte Wettsteuer von 5% auf die Umsätze aus Sportwetten. Die Regelung sieht vor, dass der Steuersatz auf sämtliche in Deutschland platzierten Sportwetten, unabhängig vom Standort des jeweiligen Anbieters, zu erheben ist. Ob die Unternehmen die Kosten per Gebühr auf ihre Wettpreise abrollen oder die Steuerschulden gegenüber der Bundesrepublik selbst aufbringen, bleibt den Anbietern überlassen.
Unmittelbar nach der Einführung der Wettsteuer hatte sich Betfair vom deutschen Markt zurückgezogen und trat gegen die Forderungen in Revision, dieser wurde mit dem aktuellen Beschluss jedoch nicht stattgegeben. Die exorbitante Summe setzt sich demnach aus den Gewinnen des Geschäftsjahres 2011/12 sowie aus den bisher angefallen Zinsen zusammen.
PPB gibt sich mit dieser Darlegung jedoch nach wie vor nicht zufrieden, der deutsche Staat müsse demzufolge „genauer darlegen“ wie sich die Steuerschuld zusammensetzt, heißt es von Seiten der zuständigen Juristen. Wie es in dem Fall weitergeht, bleibt an dieser Stelle unklar. Gegenüber dem Fachjournal iGamingBusiness betonte zuletzt ein PPB-Sprecher:
“Das Unternehmen wendet sich entschieden gegen die Grundlagen des Steuerbescheids, weshalb wir nach Gesprächen mit unseren juristischen Beratern und Finanzexperten zuversichtlich in die Berufung gehen werden.”
Steuernachzahlung droht auch in Griechenland
Derweil hat auch die griechische Regierung eine Steuernachzahlung in Höhe von 15 Mio. Euro von PPB eingefordert. Die Forderung bezieht sich dabei auf die Geschäftsaktivitäten Betfairs zwischen 2012 und 2014, entziehe sich jedoch jeglicher Grundlage: Der griechische Fiskus sei bereits zu Jahresanfang vollends ausgezahlt worden, heißt es vonseiten des Buchmachers. Eine diesbezügliche Stellungnahme der griechischen Regierung steht hier bislang noch aus.
Dass es sich Paddy Power Betfair um einen der weltweit führenden Buchmacher handelt, ist kein Geheimnis: Allein zwischen 2017 und 2018 erwirtschaftete die an der Londoner Börse notierte Unternehmensgruppe insgesamt über 2 Mrd. Euro. Dem Konzern gehören zudem mehrere bekannte Branchenmarken wie Sportsbet oder der Pferde- und Hunderennveranstalter TVG.
Seit der PASAP-Legalisierung im letzten Mai hat der Anbieter auch sein US-Geschäft ausgedehnt. Zuletzt wurde das in New York City stationierte Daily Fantasy Sports-Unternehmen FanDuel übernommen. Der US-Markt wird von Branchenexperten als milliardenschwer eingestuft. Sportwetten werden hier zurzeit bereits in acht Staaten regulär angeboten.